Das Englische Königreich 825 - 1485

Frühgeschichte Englands mit Rom, den Kelten und Germanen

Die Britischen Inseln wurden in mehreren Wellen vom Festland aus besiedelt. Etwa seit der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. bestimmten keltische Stämme das Bild. Sie setzten den Römern, die erstmals 55/54 v. Chr. unter Cäsar über den Kanal gedrungen waren, heftigen Widerstand entgegen. Erst seit 43 n. Chr. eroberten römische Legionen das Gebiet des heutigen England, das 85 n. Chr. römische Provinz wurde. Unruhen in hadrianischer Zeit führten zur Errichtung eines starken Grenzwalls (Hadrianswall) 120–128 gegen Schottland; er wurde 195 zerstört. Die folgenden Jahrhunderte waren durch ständige Kämpfe zwischen Aufständischen und Römern gekennzeichnet. Seit 383 wurden zum Schutze Italiens zunehmend römische Truppen abgezogen, bis der Sachseneinfall von 410 das Ende der römischen Herrschaft in Britannien einleitete. Nach dem Abzug der römischen Legionen (410 n. Chr.) zerfielen Verwaltung und Kultur. Die keltischen Britannier riefen um 450 n. Chr. gegen die kriegerischen Pikten und Scoten die germanischen Angeln und Sachsen zur Hilfe, die nach erfolgreichem Kampf sich zu Herren machten, die Britannier in den Westen nach Wales oder in die Bretagne abdrängten. Das von den germanischen Invasoren ausgerottete Christentum erhielt sich auf den Britischen Inseln nur im Walisischen; von dort eroberte es Irland, von wo im 7. Jahrhundert die Christianisierung der Angeln und Sachsen ausging.

Zeit der Kleinkönigreiche im Frühmittelalter 825 - 1066

Es bildeten sich rivalisierende Königreiche (Sussex, Wessex, Essex, Kent, Ostanglien, Mercien, Northumbrien). König Egbert († 839) von Wessex vereinigte 825 die benachbarten Kleinreiche unter seiner Krone, so daß sein Reich sich bei der großen Däneninvasion 865 behaupten konnte. Erst der Däne Knut der Große (1016–1035) verdrängte die westsächsische Dynastie und erzwang seine Wahl zum König von England. Er vereinigte England, Dänemark, Norwegen, Grönland und die Nordinseln einschließlich der Lehnsoberhoheit über Schottland zu einem Großreich, das jedoch bald wieder auseinanderfiel. Danach bestieg Eduard der Bekenner den Thron; seiner schwächlichen Herrschaft folgte Harald II. (1066) als letzter angelsächsischer König. Er unterlag in der Schlacht bei Hastings (14. 10. 1066) den Normannen unter Wilhelm dem Eroberer, der Erbansprüche geltend machte. Im ständigen Kampf gegen Invasoren aus Nordeuropa, vor allem gegen Dänen und Wikinger, konnte sich ab 955 ein britisches Königreich durchsetzen, das seither mit nur einer einzigen Unterbrechung von elf Jahren existiert. Sogar der Normannenherzog Wilhelm versprach bei seiner Krönung nach dem Sieg in der Schlacht von Hastings 1066, die Gesetze seines Vorgängers auf dem britischen Thron zu beachten. Wilhelms Nachfolger unterwarfen sich die britischen Territorien und verwickelten sich in jahrhundertlange Auseinandersetzungen mit dem Adel.

Die Normannen während der Kreuzritterzeit - Aufstieg zur Grossmacht 1066 - 1215

Die normannische Herrschaft organisierte sich in Form einer Lehnshierarchie, die in einem umfassenden Grundkataster, dem Domesday Book (1086), festgehalten wurde. Auf der Lehnsverfassung und der Oberherrschaft über die Kirche beruhte die Macht der Krone, die außerdem an Elemente des angelsächsischen Königtums anknüpfte. Besonders Heinrich I. festigte die Königsgewalt gegen die feudalen Magnaten und die Kirche. Heinrich II. Plantagenet (Anjou-Plantagenet), Sohn des Grafen Gottfried von Anjou und der Mathilde, Tochter Heinrichs I., vollendete seine Königsherrschaft durch eine Rechts- und Verwaltungsordnung, die ein allgemeines Recht (Common Law) in Geltung setzte. Er zwang Wales, Schottland und Irland, seine Oberlehnshoheit anzuerkennen, und setzte seine Erbansprüche in Frankreich durch (Anjou, Maine und Touraine; Aquitanien, Gascogne und Poitou mit Lehnshoheit über die Bretagne). Unter seinen Söhnen Richard I. Löwenherz und Johann ohne Land ging der Festlandbesitz verloren.

Magna Charta & Hundertjährigen Krieg im Spätmittelalter 1215-1455

Diese Schwächung des Königtums benutzte der Adel, dem König 1215 die Magna Charta aufzuzwingen, in der die ständischen Rechte schriftlich festgehalten wurden. Waren die Könige schwach, mussten sie solchen Gesetzen und Institutionen zustimmen, aus denen später die britische Demokratie hervorging. So unterzeichnete König Johann I. ("Johann ohne Land") nach dem Verlust von Festlandsbesitzungen 1215 die Magna Charta, welche die Feudalrechte des Adels gegen Übergriffe des Königs schützte und später zum Grundstein britischen Verfassungsrechts wurde. Unter Heinrich III. trat erstmalig eine Ständeversammlung zusammen, um über die Steuer zu beraten („parlieren“, daher Parlament). Eduard I. schränkte die Rechte des Hochadels und der Kirche ein. Ihm gelang es auch, 1284 Wales zu erobern. Im Krieg gegen Frankreich, Schottland und Wales berief er 1295 das „Musterparlament“ nach Westminster, das erstmals alle Bevölkerungsgruppen vereinigte und unter Eduard II. erheblichen Machtzuwachs gewann

Das späte Mittelalter brachte Pest und Hungersnöte auf die britischen Inseln. Der Verfall der Königsmacht wurde beschleunigt durch den Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich (1337-1453). Eduard III. erhob beim Aussterben der französischen Kapetinger 1328 gegenüber den Valois Ansprüche auf den französischen Thron. Dies führte zum Hundertjährigen Krieg (mit Unterbrechungen 1338–1453) zwischen Franzosen und Engländern. Unter Richard II. entstanden infolge der hohen Kriegskosten Unruhen, die auf alle Volksschichten übergriffen (Bauernaufstand unter Wat Tyler, Bewegung der Lollarden); die Macht der Commoners („Gemeinen“) im Parlament stieg. Als Richard II. seit 1397 immer selbstherrlicher regierte, wurde er mit Billigung des Parlaments von Heinrich IV. aus dem Haus Lancaster abgesetzt. Heinrich V. warf die Franzosen völlig nieder und wurde als Erbe des französischen Throns anerkannt. Doch gingen infolge seines frühen Todes und der Minderjährigkeit seines Sohnes Heinrich VI. alle Erfolge verloren; der Festlandsbesitz musste bis auf Calais aufgegeben werden. Die Schwäche des Königtums begünstigte den Ausbruch des Adelskrieges 1455–1485 ( Rosenkriege) zwischen dem Haus Lancaster (Wappen: rote Rose) und dem Haus York (Wappen: weiße Rose). Mehr Informationen über die Engländer und Ihre Monarchen, die neue starke Königsfamilie der Tudor finden Sie in der Renaissance.
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