Spanien, die Seefahrer und Entdecker 1479 bis 1808

Grundsteinlegung des Spanischen Reiches ab 1479

Nach jahrhundertlangen Rivalitäten wurden die beiden Königreiche Aragonien und Kastilen-Leon als Folge der Heirat von Kastiliens Isabella I. und Aragoniens Ferdinand II. 1479 in Personalunion (genauer Matriomonialunion) vereinigt. Nach jahrelangem Erbfolgekrieg in Kastilien, wurden mit dieser Heirat die Weichen für die spätere Einigung Spaniens gestellt. Nicht die Tochter Heinrichs IV., des Königs von Kastilien, sondern seine damals erst 17 jährige Halbschwester Isabella wurde 1468 zur Thronerbin erwählt. Bereits ein Jahr später (1469) heiratete sie Ferdinand, den Sohn von König Johann II., dem König von Aragonien. Nach dem Tod Heinrichs des IV. 1474, übernahm Isabella die Krone Kastiliens. Nach dem Tod seines Vater Johann II. von Aragonien, übernahm Ferdinand II. die Krone von Aragonien 1479. Kastilien und Aragonien wurden unter der Doppelmonarchie Isabellas und
Ferdinands vereinigt. Zuerst galt es das Land innenpolitisch zu festigen und die Stellung der Krone im Staat zu stärken. Außenpolitisch wurden die Katholischen Könige erst später aktiv. Obwohl unter einer Krone vereinigt, bildeten Kastilien und Aragonien keine Einheit. Zu verschieden waren die innenpolitischen Strukturen beider Länder. Kastilien war streng zentralistisch organisiert, während Aragonien, (mit Katalonien, Valencia, Mallorca, Sizilien, Neapel und Sardinien) föderal strukturiert und regiert wurde. Ferdinand von Aragon starb 1516.


Isabella I. installierte in Kastilien eine straff organisierte Zentralverwaltung. Der Kastilienrat war eine im Auftrag der Könige arbeitende Zentralbehörde. Der Staatsrat beriet die Krone in außenpolitischen Angelegenheiten. Die Justizverwaltung unterlag zwei Audiencias (Gerichtshöfen). Grundlage der Rechtssprechung war eine Rechtsquellensammlung. Der Kronrat war das zentrale Verwaltungsinstrument der Krone. Letrados (Rechtsgelehrte), übernahmen die Führung der Staatsgeschäfte. In den einzelnen Ländern setzte die Krone je einen Corregidor, einen Landesverwalter, ein. In den Cortes kamen die Vertreter der Städte des Landes zusammen. Die Rechtssprechung über Laien wurde von kirchlichen Gerichten auf königliche Gerichte übertragen. Papst Alexander VI. sprach den Königen das Recht auf Bischofsernennung zu. Später, während der Kolonisation Amerikas, übertrug der Papst den Königen das Patronatsrecht über die neu eroberten Gebiete. Die Krone erhielt damit das Recht auf Christianisierung Amerikas. Ihr oblag die Verwaltung kirchlicher Angelegenheiten und die Besetzung kirchlicher Ämter in den Kolonien. Die Kirche wurde zum treuen Diener des Staates, unterstütze die kolonialen Zielsetzungen der Krone und rechtfertigte die grausamen Praxis der Konquistadoren in Amerika. In der Absichte die Stellung der Monarchie zu stärken, beschnitten die Könige die Macht des Adels. Der Adel musste seine Krongüter an die Krone zurückgeben. Mittels einer Neuordnung des Lehenwesens konnte der Adel seine Ländereien nicht weiter ausbauen. Die Versammlung der Städtevertreter wurde nur noch sehr selten eingerufen, die Städte damit praktisch entmachtet. Auf Kosten der Kirche und der Städte legten die Katholischen Könige damit die Grundlage der absoluten Monarchie in Spanien.


Die Spanische Inquisition

Weiteres Ziel der Krone war es, in Spanien weitgehend Glaubenseinheit unter der Bevölkerung zu verankern. Zu diesem Zweck richteten sie die Inquisition 1478 ein. Juden und Moslems, die unter dem Verdacht der Ketzerei standen wurden aufgespürt und vor Gericht gezerrt. Sie mussten entweder zum katholischen Glauben konvertieren oder sie hatten das Land zu verlassen. Die spanische Inquisition war anders als die römische eine
Einrichtung, ein Werkzeug des Staates, geschaffen von den Katholischen Königen, um Andersgläubige aufzuspüren und zu überwachen. 1492 und 1502 wanderten zehntausende Juden aus Spanien aus. Ca. die Hälfte der 200.000 Juden, die um 1500 in Spanien lebten, konvertierten.

Ende der Reconquista und Entdeckung Amerikas 1492

Anfang 1492 fand die Reconquista ihr Ende. Die letzte maurische Bastion auf der Iberischen Halbinsel, das Emirat Granada wurde eingenommen. Anfänglich wurde den Moslems Glaubensfreiheit versprochen. 1502 widerrief Isabella die Religionsfreiheit für Moslems. Muslime wurden von nun an genauso wie Juden von der Inquisition verfolgt. Ein Jahrhundert später wurden auch noch die konvertierten Muslime, die sogenannten Moriscos verfolgt und aus Spanien vertrieben. Religiöse Intoleranz war Staatsdoktrin unter Isabella und Ferdinand. Andersgläubige wurden aus dem Lande vertrieben. Die religiöse Einheit sollte die politische Einheit des Staates gewährleisten. Durch die Vertreibung hunderttausender gingen der spanischen Wirtschaft viele Arbeitskräfte verloren, die dringend gebraucht wurden. Dies trug zu späteren Zeiten zum wirtschaftlichen Niedergang des Staates bei. "Nachdem die Reconquista auf der Iberischen Halbinsel abgeschlossen war, setzte Spanien seinen Kampf um die katholische Glaubenseinheit in veränderter Weise fort: im Lande selbst mit den Mitteln der Inquisition, in Übersee als koloniale Missionierung Amerikas, im Osten als Kampf gegen die Türken, im Norden in kriegerischen Auseinandersetzungen gegen die protestantischen Mächte. Glaubensfragen standen für Spanien, dem selbsternannten "Wächter des Abendlandes" mit einem ungebrochenen religiösen Sendungsbewusstsein, im Zentrum geistiger, politischer und militärischer Aktivitäten".

Weiteres herausragendes Ereignis nach der Eroberung Granadas war die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492. Ausgestattet mit dem Patronatsrecht, begann Spanien mit der Unterstützung der Kirche, welche die Praxis der Eroberungen rechtfertigte, Amerika zu kolonisieren und zu christianisieren.


Vereinigung mit dem Römischen Deutschen Reich unter den Habsburger 1516-1700

Erbe des spanischen Reiches 1516 wurde der Enkel Isabellas I. und Ferdinands II., Karl I als deutscher Kaiser Karl V. Er ging aus der Ehe der jüngsten Tochter der Katholischen Königen, Johanna (der Wahnsinnigen) und Philip (dem Schönen) von Burgund hervor. 1515 wurde Karl I. Herzog von Burgund, 1519, nach dem Tod seines Großvaters Maximilian Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Von mütterlicher Seite Erbe der spanischen Reiche, war Karl I. von väterlicher Seite somit Herr der habsburgischen Besitzungen in Österreich, Burgund und der Niederlande. Damit wurde Spanien viel stärker in die europäische Politik hineingezogen. Anfänglich hatte Karl Probleme seine Autorität in Spanien durchzusetzen. Bei seinem ersten Besuch in Spanien 1517 entließ er gleich den Verweser Kastiliens und besetzte viele Staatsämter mit flämischen Ausländern. Daraufhin kam es in Toledo und anderen Städten zu lokalen Aufständen. Das Bürgertum und der Kleinadel protestierten gegen die hohen Steuerabgaben, die sie leisten sollten und gegen die Besetzung vieler Staatsämter mit Ausländern.
In Valencia kam es zu einem Aufstand der Zünfte. Sie wollten eine freie
Republik, ähnlich wie Venedig durchsetzen. Um eine Ausweitung der Aufstände zu vermeiden kam Karl I. den Aufständischen entgegen. Er versprach von nun an keine Staatsämter mehr an Ausländer zu vergeben und den Adel stärker an der Verwaltung zu beteiligen. Nach dem militärischen Sieg über Verbände der Aufständischen 1521, wurde Karl I. entgültig als Herrscher in Spanien anerkannt.

Während Karls Abwesenheit erwies sich seine Frau Isabella von Portugal als guter Sachverwalterin der spanischen Interessen. Der eigentliche Verwalter der spanischen Kronländer war Großkanzler Mercurino di Gattinara und nach ihm Francisco de los Cobos. Sie installierten in Spanien ein modernes Verwaltungssystem. Neben Staats- und Kriegsrat, die den Monarchen berieten, regelte der Finanzrat die königliche Geldverwaltung. Der Kastilienrat war für die Verwaltung und das Rechtswesen in Kastilien verantwortlich. Daneben installierte er eine Reihe von Territorialräten. Gattinara richtete 1524 den Indienrat, welcher für die überseeischen Besitzungen verantwortlich war, 1555 den Italienrat, verantwortlich für Mailand, Sizilien und Neapel, 1582 den Portugalrat nach dem Anschluss des westlichen Reiches an Spanien und 1588 den Flandernrat für die Verwaltung der "Spanischen Niederlande", ein. Unter Karl I resp. Karl V entwickelte sich Spanien zu einem modernen Staat. Spanische Musik, Literatur und Philosophie fanden in ganz Europa weite Verbreitung.

Reformation - Spanische Inquisition:

Im Zeitalter der Reformation zu Beginn des 16.Jh. setzte Karl I. wie seine Vorgänger auf dem Königsthron die religiöse Einheit mittels seiner Inquisitoren durch. Den Protestantismus in Spanien brachte die Inquisition schnell zum Erliegen. Um ein Imperium von der Größe des spanisch-habsburgerischen Reiches zur Zeiten Karls zu verteidigen, brauchte man viel Geld. Neben dem außenpolitischen Engagement in Amerika belasteten die Kriege mit Frankreich um Italien die Kriegskasse Karl I. Die enormen Kosten für das Reich führten während Karls Herrschaft mehrere Male zum Bankrott des Staates. Außenpolitisch kämpfte Karl I. in Europa vor allem gegen Frankreich. 1525 konnten schließlich vereinigte deutsch-spanische Verbände den französischen König Franz I. in der Schlacht von Pavia gefangen nehmen und ihn zum Verzicht auf Mailand, Genua, Neapel und die Bourgogne zwingen. Der Frieden von Barcelona und Cambrai 1529 besiegelte entgültig die habsburgerische Vorherrschaft in Italien.

Geteiltes Spanisch - Römisches Deutsches Reich

Karls Nachfolger auf dem Thron war sein Sohn Philipp II. Philipp II. Dieser regierte von 1556 bis 1598. Zu seinem Herrschaftsbereich zählte neben Spanien, den süditalienischen Königreichen, überseeischen Besitzungen auch noch Burgund und die Niederlande und ab 1580 Portugal. Innenpolitisch setzte Philipp II. die Zentralisierungs- bemühungen fort. Er war als Monarch der souveräne Mittelpunkt aller politischen Entscheidungen. Philipp wachte persönlich über die zahlreichen Gremien und Ratsausschüsse, die untereinander nicht koordiniert waren. Allerdings konnte Philipp II. sein zentralistisches System nicht in ganz Spanien ausbreiten. Die Randstaaten behielten auch unter seiner Herrschaft ihre separaten konstitutionellen Formen bei. Die Spannungen zwischen dem zentralistischen Kernstaat Kastilien und den Teilreichen blieben bestehen. Niederlage der Armada gegen die englische Flotte (1588). 1554 heiratete Philipp II. Maria (Tudor), die Tochter des englischen Königs Heinrich VIII.. Die Verbindung mit England war nur von kurzer Dauer. Vier Jahre später starb Maria. Ihre Nachfolgerin Elisabeth I., unter deren Herrschaft die englische Staatskirche einen deutlich protestantischen Charakter angenommen hatte, verfolgte einen anderen Kurs gegenüber Spanien. Nachdem es im Atlantik wiederholt zu Überfällen englischer Seefahrer auf spanische Schiffe gekommen war, beschloss Philipp II. England von anzugreifen. Sie spanische Armada wurde jedoch 1588 in mehreren Gefechten von den Engländern geschlagen, Philipps Invasionsversuch damit gescheitert. Zweiter großer Widersacher auf dem Kontinent war Frankreich. In schweren Kämpfen zwischen den Häusern Habsburg und Valois kam es nach schweren Niederlagen der Franzosen 1559 zum Frieden von Cateau-Cambresis, der durch eine dynastische Heirat zwischen der Tochter Heinrich II., Elisabeth von Valois, und Philipp II., bekräftigt wurde. Im Krieg gegen die maurischen Staaten Nordafrikas gelang Spanien 1571 der Seesieg von Lepanto. Damit war die Vorherrschaft der Osmanen im westlichen Mittelmeer gebrochen. Der Versuch Philipps die Niederlande im habsburgerischen Verbund zu halten scheiterte nach jahrelangen Kämpfen. Während in den Niederlanden der Unabhängigkeitskrieg begann, revoltierten die ca. 300.000 im ehemaligen Emirat von Granada lebenden Moriscos (muslimische Christen). Erst 1570 gelang es Philipp den Aufstand völlig niederzuschlagen. 1580 fiel Portugal durch einen Erbfall an Spanien. Philipp war der Sohn Isabellas, der ältesten Tochter des portugiesischen Königs Manuel I. Philipp musste seinen Anspruch erst militärisch durchsetzen. Mit Portugal verfügte Spanien nun über die größte Handelsflotte der Welt, über ausgedehnte Besitzungen in Amerika, entlang der afrikanischen und der indischen Küste. Spaniens imperiale Politik führte zum völligen Verbrauch der Staatsfinanzen. 1557 musste Philipp den Bankrott des Staates erklären. "Immer mehr verstand sich im Spanien der Frühen Neuzeit der Staat als Garant des göttlichen Auftrags der Kirche; die Interessen der Kirche mussten stets den staatlichen Erfordernissen untergeordnet bleiben. Philipp erhob den Anspruch, "königlicher Beschützer der Kirche" zu sein; daraus leitete er königliche Vorrechte ab. Diese Politik wurde "Regalismus" genannt; sie führte, vor allem im 17. und 18.Jh., immer wieder zu Reibereien zwischen den spanischen Herrschern und den Päpsten. Trotz aller innerkirchlichen Probleme und der vielfältigen Spannungen zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl blieb das Land allerdings in der
Einheit des Glaubens ein Bollwerk der Katholisch Kirche".

Niedergang des Spanischen Reiches ab 1598

Das Jahrhundert vom Tode Philipps II. bis zum Aussterben der spanischen Habsburger war für Spanien eine Epoche des Niedergangs. Philipp III. (1598-1621), Philipp IV. und Karl II. überließen die Regierungsgeschäfte den validos, ihren Vertrauensmännern. Bei Philipp IV übernahm diese Rolle der Herzog von Lerma und später dessen Sohn, der Herzog von Uceda, bei Philipp IV. der Conde-Duque de Olivares, bei Karl II. waren es zuerst Fernando de Valenzuela, später Prinz Juan Jose de Austria, Herzog von Medinadeli und schließlich der Graf von Oropesa. 1598 bis 1602 wütete eine verheerende Pestepidemie in Spanien. Weitere Epidemien und Missernten folgten. Spanien verlor viele Einwohner. 1609 wies Philipp die wirtschaftlich sehr aktiven getauften Muslime, die sogenannten Moriscos aus. Rund 230.000 von ihnen wurden vertrieben. Vom zunehmenden Handel Spaniens mit anderen Ländern des habsburgischen Reiches, wie Flandern, Norditalien und Süddeutschland, konnte das Land nicht profitieren. Im Gegenteil. Den europäische Handel schloss Spanien meist mit einer negativen Zahlungs- und Handelsbilanz ab. Wegen fehlender protektionistischer Verordnungen in Spanien, eröffneten sich für die Kolonien Spaniens auf der Pyrenäeninsel hervorragende Absatzmöglichkeiten. Von Elend und wirtschaftlicher Not bekam der Adel in Madrid nicht viel mit. Der Monarch und sein fürstliches Gefolge lebten in Saus und Braus auf Kosten ihres Volkes. Die Verschwendungssucht der Adligen verschärfte die Geldknappheit des Staates. Um dem entgegen zu wirken brachte man haufenweise minderwertiges Kupfergeld unter die Leute. Es kam zur Inflation. Der Binnenhandel in Spanien war zersplittert. Die Randstaaten in Spanien hatten ihre eigenen Zölle, ihr eigenes Finanz- und Wirtschaftssystem. Der Transportweg vom Inland an die Küste war umständlich und aufgrund der zahlreichen Wegzölle meist kostspielig. Spanien war zu diesem Zeitpunkt keine Einheit. Vielmehr bestand das Reich aus vielen einzelnen Teilreichen, mit je unterschiedlichen Strukturen.
Spanien war eine zusammengesetzte Monarchie. Der Valido Philipps IV., Conde-Duque de Olivares versuchte aus den Fleckenteppichen ein Ganzes zu weben. Seine Vorstellung war es, dass spanische Reich zu vereinheitlichen und gleichsam ein gesamtspanisches Einheitsbewusstsein zu schaffen. Außenpolitisch stand das spanisch-habsburgerische Reich vor dem Zerfall. Im 17.Jh. verlor das Reich entgültig seine Vormachtstellung in Europa und auf den Weltmeeren. Die für die Sicherung der Niederlande wichtige Landbrücke von Mailand nach Norden konnte nur mit Mühe gegen ein französisch- savoyisches Bündnis verteidigt werden. Das Elsaß konnte nicht unter spanischen Einfluss gebracht werden. 1648 kam es nach jahrelangen Kämpfen zu einem spanisch-niederländischen Sonderfrieden, indem Spanien die Unabhängigkeit der Generalstaaten und ihrer Kolonien anerkannte. 1627 begann ein erneuter Krieg zwischen Spanien und Frankreich um die Norditalienischen Besitzungen. Als Olivares Katalonien während des Konflikts stärker in die Pflicht nehmen wollte, kam es zu Spannungen zwischen Barcelona und Madrid. Die Katalanen brachen ihre Beziehungen zu Madrid ab und erkannten Ludwig XIII. von Frankreich als ihren König an. Damit war Olivares Politik gescheitert. Philipp IV. entließ ihn daraufhin. Katalonien bekannte sich später wieder zu Spanien. 1640 spaltete sich Portugal ab und verbündete sich mit England und Frankreich. Der Krieg zwischen Spanien und Frankreich endete 1659 mit dem sog. "Pyrenäenfrieden". Die Pyrenäen bildeten von nun an nicht nur die natürliche sondern auch die politische Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Im Norden gewann Frankreich außerdem noch Teile der Niederlande, Flanderns und Luxemburgs hinzu. Außerdem wurde die Heirat Maria Teresa, der ältesten Tochter Philipp IV. und Ludwig XIV. von Frankreich,
vereinbart. Das ehemalige Großreich Karl I./V. brach weiter auseinander. Im Frieden von Aachen (1668) musste Spanien auf weitere Teile Flanderns verzichten, später auf die Freigrafschaft Burgund. Im Frieden von Rijswijk (1697) erhielt Frankreich weitere spanische Gebiete. Als Philip IV. 1665 starb, übernahm seine Frau Maria Anna von Österreich den Thron. Ihr gemeinsamer Sohn Karl war zu dem Zeitpunkt vier Jahre alt. Unter Karl II, dem letzten Habsburger, fing es Spanien an langsam wirtschaftlich besser zu gehen. Karl ordnete eine Reihe von Reformen an, darunter eine Währungsreform. Der von ihm ins Leben gerufene Handelsrat förderte den Ausbau der Seifenindustrie und des Weinbaus. Die Höhe der Steuerforderungen für Kastilien wurde reduziert, das System der Finanzverwaltung gestrafft.

Spanischer Erbfolgekrieg der Habsburger mit den Bourbonen
(1701 - 1713/14)


Aussenpolitisch war Spanien schwach. Spanien war aufgrund der
Kinderlosigkeit Karls II. ein Spielball europäischer Mächte geworden. 1700 kam es beim Tode Karls II Sohns Philip IV und Enkel Karl I resp. Karl V zum Krieg um das spanische Erbe. Karl hatte vor seinem Tod Philipp V. den Enkel König Ludwigs XIV. zum Thronerben ernannt. Von Seiten der Habsburger wurde Erzherzog Karl (der zweite Sohn des Kaisers) als Karl III. zum König von Spanien ausgerufen. Das bedeutete Krieg. Philipp V. warb für eine zentrale absolute Monarchie, Karl für die Autonomie der Randstaaten. Die Länder der Krone Aragoniens unterstützten Karl, Kastilien bekannte sich zu Philipp. 1711 starb plötzlich Kaiser Joseph I.. Als Nachfolger kam nur sein Bruder Karl in Frage, der in Spanien um die Krone kämpfte. Karl wurde im Oktober 1711 zum Kaiser gewählt. Damit war der Krieg um die Erbfolge beendet. Philipp V. wurde König von Spanien. Damit ging die Krone von den Habsburgern an die Bourbonen über. Im Frieden von Utrecht 1713 musste Spanien Menorca und Gibraltar an England abgeben. Das bisher spanische Sizilien ging an Savoyen über. England bekam das Monopol für den Sklavenhandel mit Amerika. Der spanische Erbfolgekrieg bedeutete zudem das Ende der spanischen Hegemonie in Italien (Mailand, Neapel und Sardinien gingen an Habsburg). Die Hauptkontrahenten in Europa waren fortan Österreich (das Haus Habsburg) und Frankreich (das Haus Bourbon). Das auf Kastilien gegründete burgundisch-habsburgerische Großreich war endgültig zerschlagen, Spanien hatte seine Vorherrschaft in Europa definitiv verloren.

Unter Ferdinand VI ( 1746 –1759), Karl IV ( 1788- 1808 ), vor allem aber unter dem fähigen Karl III wurden v.a. fortschrittliche Reformen ( Industrieausbau, Finanzreformen ) durchgeführt und ein absolutistischer Einheitsstaat geschaffen. Die innere Gesundung wurde aber durch verlustreiche Kriege an der Seite der französischen Bourbonen verhindert. Über die Napoleonische Zeit in Spanien und mehr über das 19. Jh. in der nächsten Epoche, des Klassizismus und der Aufklärung.
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